5-jähriges Jubiläum von Pro Gymnasium

„Vor genau fünf Jahren – am 2. Oktober 2014 – ist Pro Gymnasium erstmals an die Öffentlichkeit getreten, um für eine seriöse Bildungspolitik und den Erhalt des achtjährigen Gymnasiums einzutreten“, erinnert Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich. „Es ist seither viel gelungen, darüber freuen wir uns. Aber“, so Gögele, „wer das Gymnasium erhalten will, muss es verändern. Wenn wir wollen, dass auch unsere Enkel ein solches Gymnasium besuchen können, werden wir diesen Anspruch steigern bzw. wiedergewinnen müssen.“

Wir schlagen vor:

  • In die Unterstufe des Gymnasiums werden Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die besonders leistungsstark sind. Österreichweit sollen das nicht mehr als etwa 20 % eines Jahrgangs sein. Die Letztentscheidung über die Aufnahme muss bei der aufnehmenden Schule liegen.
  • Leistungsorientierte und inhaltlich anspruchsvoll ausgewiesene Lehrpläne müssen den Anspruch des Gymnasiums sicherstellen. Es ist notwendig, dass wieder verlässlich Wissen und Können und Inhalte, die allgemein als wesentlich anerkannt sind, vermittelt werden.
  • Die „kompetenzorientierte Neue Reifeprüfung“ ist zu evaluieren; insbesondere die Frage, ob sie einen Zuwachs an Wissen und Können gebracht hat, ist zu beantworten.

Gymnasialer Anspruch ist nur mit motivierten und fachwissenschaftlich ausgewiesenen Gymnasiallehrern zu haben.

„Unsere Forderungen sind klar“, so Gögele, „keine weiteren Gesamtschulversuche in Österreich, sondern Konzentration auf das Wesentliche: Dabei geht es v.a. um die Frühförderung, die Änderung der Aufnahmekriterien ins Gymnasium, mehr Wertschätzung gegenüber der dualen Ausbildung, ein verstärktes Erkennen und Beheben von Defiziten und Wahrnehmung von Chancen im Kindergarten-, Vorschul- und Volksschulalter, mehr Unterstützung für die Schulen durch Psychologen, Sozialarbeiter, etc., einen qualitativen Ausbau des ganztägigen Angebots und eine Verstärkung des kostenlosen Förderunterrichts. Seit der Amtsübernahme von Bundesminister Faßmann“, betont Gögele, „sind wir auf einem guten Weg: Das österreichische Schulwesen ist nun wieder der Leistungsorientierung und dem Hausverstand verpflichtet. Das unterstützen wir! Wir treten dafür ein, dass Heinz Faßmann seinen vernünftigen Kurs in der nächsten Regierung fortsetzen kann.“

Martina Ess: Ich bin überzeugte Pro-Gymnasium-Lehrerin

Die Modellregion sorgte vor einigen Jahren für Aufbruchstimmung in Vorarlbergs Schulwelt. Ein groß angelegtes Forschungsprojekt sollte nach zehn Jahren in die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen münden. Heute scheint das Ziel außer Reichweite zu sein. Bei Vorarlbergs ÖVP-Spitzenkandidatin zur Nationalratswahl, Martina Ess, hält sich der Ärger darüber wohl in Grenzen. Auf eine Leserinnenfrage bei der Aktion „VN-Leser fragen, Politiker antworten“ antwortet sie: „Ich bin überzeugte Pro-Gymnasium-Lehrerin.“ Die Volksschule zeige, dass die Kluft zwischen Kindern aus bildungsfernen und bildungsnahen Elternhäuser durch gemeinsamen Unterricht nicht kleiner werde. „Die Schulform ist gar nicht so wichtig. Es geht nicht um das Setting, es geht um die Aufgaben. Wir müssen klären, was Schule leisten muss.“ Steht die ÖVP also nicht mehr hinter der gemeinsamen Schule? „Die Bundes-ÖVP ist nie dahinter gestanden. Sie spricht sich seit 2017 ganz klar für ein differenziertes Schulsystem aus.“ Zudem müsse die Schulpflicht durch die Bildungspflicht ersetzt werden.

Apropos Schule: Ein Leser meldet sich per Telefon, um sich bei Ess für ihre Forderung zum Umgang mit Smartphones in Schulen zu bedanken. Ess erläutert: „Kinder sollen in der Schule aufmerksam dem Unterricht folgen. Einige Schulen verbannen das Smartphone bereits aus dem Klassenzimmer. Ich wäre froh, wenn weitere folgen.“ Man müsse digitale Medienkompetenz vermitteln. „Aber dafür braucht es keine Smartphones, sondern Klassenzimmer mit Tablets und Computern.“

Eine Leserin möchte per SMS wissen, wie das Problem der Schließtage von Kindergärten und Schulen in den Sommermonaten in den Griff zu bekommen sei. Da benötige es drei Akteure, antwortet Ess: „Politik, Wirtschaft und Familien.“ Die Politik müsse regionale Campusse schaffen, nicht jede Kleingemeinde könne die Infrastruktur bauen. Die Wirtschaft müsse familienfreundlich sein, Homeoffice und flexible Arbeitszeiten ermöglichen. Und in der Familie müsse über Doppelteilzeit gesprochen werden. „Wenn ein Elternteil 100 Prozent arbeitet, muss der andere automatisch zurückstecken. Mir gefällt auch nicht, dass beide 100 Prozent arbeiten wollen, sollen, müssen“, fährt Ess fort. Auf die Frage einer Leserin zur Pensionsschere spricht sich Ess für ein automatisches Pensionssplitting bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes aus. Außerdem müssten Frauen und Mädchen aufgeklärt werden, welche Konsequenzen Teilzeit hat. „Wir Frauen sind auch eigenverantwortlich gefordert, uns gut zu überlegen, wie wir planen.“ Dem Vorwurf einer weiteren Leserin, die Regierung habe nichts für Frauen getan, die mit ihren Kindern zu Hause bleiben, entgegnet sie: „Das stimmt nicht. Wir haben den Familienbonus eingeführt. Außerdem konnten wir nicht das ganze Programm umsetzen, weil wir ja unterbrochen wurden.“

Dass die Grünen kürzlich die Kindergrundsicherung forderten, kommentiert sie so: „Das ist weder innovativ noch neu.“ Ess verweist auf die Volkshilfe, deren Idee es sei. Die Volkshilfe untersucht gerade in einem zweijährigen wissenschaftlichen Projekt die Kindergrundsicherung. „Das macht Sinn, danach kann man in Dialog treten. Denn das Thema ist wichtig.“ Schon jetzt würden Kinder Förderungen erhalten. „Das wurde von den Grünen einfach nicht erwähnt. Wir lassen kein Kind zurück.“

Vorarlberger Nachrichten, 21.9.2019

Wachsam bleiben!

Couleur: Was gibt’s Neues bei Pro Gymnasium?

Türtscher: Seit November 2018 sind wir nun – mit der Bestellung von Norbert Santner – in allen neun Bundesländern mit eigenen Landesorganisationen vertreten.*

Couleur: Ist das wichtig, da seit Minister Faßmann die Bildungspolitik in Österreich eh „nach unseren Vorstellungen“ gestaltet wird?

Türtscher. Auf alle Fälle, in der Politik können sich die Dinge schnell ändern – erst kürzlich hat der Tiroler Landeshauptmann Platter seine Vorliebe für die Gesamtschule bekräftigt – und auch in Vorarlberg gibt es eine rührige Gesamtschulszene. Sie hat zwar keine Mehrheit in der Bevölkerung, weiß sich aber mit Unterstützung der Medien, Interessensvertretungen und einigen Landespolitikern in Szene zu setzen.

Couleur: Wie groß war denn der Einfluss von Pro Gymnasium auf die bildungspolitischen Entscheidungen im Laufe des Jahres 2017, die ein vorläufiges Ende für die Gesamtschule in Österreich gebracht haben.

Türtscher: Das können wir nicht abschließend beurteilen, aber wenn ich bewerte, was wir ständig hören, doch relativ groß. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass mit der Einführung der Gesamtschule keine Probleme gelöst werden und dass es dafür in der Bevölkerung keine Mehrheit gibt.

Couleur: Wie ist es zu Gründung von Pro Gymnasium gekommen?

Türtscher: Am 2. Oktober 2014 hat sich in Innsbruck Pro Gymnasium der Öffentlichkeit vorgestellt – Proponenten waren damals Peter Retter, Marina Floriani, Ronald Zecha, Norbert Mutz und Florian Dagn. Die konkreten Forderungen waren:
• Aufhebung der Blockade einer sachlichen Bildungsdebatte durch Beendigung der Gesamtschuldiskussion
• Erhalt des achtjährigen Gymnasiums (Vielfalt des Angebotes für Vielfalt der Begabungen und Interessen; Wahlmöglichkeit für Eltern)
• Änderung der Aufnahmekriterien am Gymnasium, längerfristiges Prognoseverfahren statt Notendruck am Ende der Volksschule
• Eine AHS-Langform in jedem österreichischen Bezirk
• Errichtung zusätzlicher Oberstufen-Standorte (ORG, BMHS) zur Erhöhung der Durchlässigkeit (insbesondere in ländlichen Regionen)
• Mehr Wertschätzung gegenüber der beruflichen Bildung und den Lehr-(Handwerks)berufen
• Verstärktes Erkennen und Beheben von Defiziten im Kindergarten-, Vorschul- und Volksschulalter, aber auch in der Erwachsenenbildung
• Mehr Unterstützungspersonal für Lehrer und Schüler (z.B. Psychologen, Sozialarbeiter) und Stärkung der Schulpartnerschaft
• Qualitativer Ausbau der ganztägigen Angebote und Verstärkung des kostenlosen Förderunterrichts sowohl für Begabungen als auch für die Kompensation von Defiziten.

Couleur: Blieb das auf Tirol beschränkt?

Türtscher: Nein, Vorarlberg folgte auf den Fuß. Bereits am 11. Dezember 2014 wurde die Landesgruppe Vorarlberg – ich war und bin Landessprecher –der Öffentlichkeit im Zuge einer Pressekonferenz bekannt gemacht. Ein Glücksfall für uns war, dass die Vorarlberger Schülerunion im Rahmen ihrer Kampagne „Talente durch Vielfalt“ uns vorstellte. Man konnte den durchaus gesamtschulaffinen Journalisten ihren Unmut anmerken! Die öffentliche Präsentation des sehr prominenten Unterstützungskomitees erfolgte dann am 26. Februar 2015. Am 8. Juli 2015 wurde in Innsbruck der österreichweite Verein konstituiert. Zum Obmann wurde Altlandesrat Dr. Rainer Gögele, CLF, aus Vorarlberg gewählt, was sich als Glücksfall entpuppte. Weiters gehörten dem Vorstand Isolde Woolley, Peter Retter, Norbert Mutz, BES, AIn, Matthias Hofer, NOH, BOW, Alp, Marina Floriani, Florian Dagn, Johannes Schretter, Ronald Zecha, TTI, The, Thomas Plankensteiner, R-B, Cld und ich an. Die Gründung der Landesgruppen Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich gelang sehr schnell, im Osten Österreichs zog es sich – und im November 2018 hatten wie dann „alle Neune“!

Couleur: Da sind ja ganz schön viele MKVer und CVer dabei!

Türtscher: Im engeren Kreis des Vorstandes waren und sind fast ausschließlich katholisch Korporierte tätig. Das ist ein Qualitätsmerkmal, da kann man sich verlassen!

Couleur: Wie siehst Du das bildungspolitische Engagement der großen Verbände MKV und ÖCV?

Türtscher: In der ganzen Zeit des aktiven Kampfes konnten wir uns auf beide Verbände absolut verlassen – sie haben uns durch Beschlüsse und Öffentlichkeitsarbeit aktiv unterstützt!

Couleur: Wie gestaltete sich Eure Tätigkeit.

Türtscher: Wir konzentrierten uns auf die Öffentlichkeitsarbeit und das politische Lobbying – vor allem auf Bundesebene ist und war natürlich die Bundes-ÖVP unser Ansprechpartner. Durch die Beschlussfassung des neuen ÖVP-Grundsatzprogramms im Mai 2015 mit einem klaren Bekenntnis zum differenzierten Schulsystem gelang ein wichtiger Zwischenerfolg; hier haben sich der damalige Generalsekretär der ÖVP und heutige Minister Gernot Blümel und der ÖAAB mit Obmann Gust Wöginger sehr verdient gemacht.

Couleur: Und die berühmte „Modellregion Vorarlberg“ mit dem „Forschungsprojekt“?

Türtscher: Das Forschungsprojekt war eigentlich von Anfang nicht das Ergebnis systematischer Politik, sondern die Reaktion auf die gescheiterte „Modellregion Lustenau“ im November 2012. Es erfüllt auch den Anspruch der Wissenschaftlichkeit nicht. Der Vorarlberger Landtag beschloss zwar im Juli 2015, man könnte die Gemeinsame Schule als Ende der Reformbemühungen einführen, wie gesagt könnte – eine andere Form hätte in der ÖVP auch keine Mehrheit gefunden. Trotz vieler medialer Bekenntnisse hat es in Vorarlberg gesamtpolitisch nie eine Mehrheit für die Gesamtschule gegeben. Mit dem Bildungsreformgesetz 2017 ist die „Modellregion“ auch rechtlich nicht mehr umsetzbar – eine allfällige Entscheidung über einen Gesamtschulversuch fällt ausschließlich am Schulstandort!

Couleur: Wo sehr Ihr in Zukunft Eure Aufgabe?

Türtscher: Wachsam bleiben!

Dieses Interview erschien in der Ausgabe 2/2019 des Couleur, der Zeitschrift des Mittelschüler-Kartellverbands.

Drei Jahre “Schi-Gesamtschule Arlberg”

Heute sind es drei Jahre her, dass wir unsere Presseaussendung „Pro Gymnasium schlägt Errichtung einer Modellregion ‚Schi-Gesamtschule Arlberg‘“ veröffentlicht haben, der damals viel Interesse entgegengebracht worden ist. Am 12. März 2019 haben die Bregenzer Schülerin Lena Schelling und der Schüler David Hagen (BG Bregenz-Blumenstraße) im Rahmen einer Textanalyse in Form einer Schularbeit diese Aussendung analysiert. Wir drucken diese Arbeiten – mit freundlicher Genehmigung der Verfasser – gerne ab!


ACHTUNG SATIRE (oder doch ernst gemeint?)
Pro Gymnasium schlägt Errichtung einer Modellregion „Schi-Gesamtschule Arlberg“ vor
(1. April 2016)

Die österreichweite Initiative „Pro Gymnasium“ bringt einen konstruktiven Vorschlag in die Diskussion über Modellregionen zur gemeinsamen Schule in Tirol und Vorarlberg ein: „Wir schlagen die Errichtung einer Modellregion Schi-Gesamtschule Arlberg vor“, so Bundesobmann Dr. Rainer Gögele. „Alle bestehenden Schischulen des Arlbergs werden, ob sie wollen oder nicht, in diese Modellregion eingebunden. Kernstück des Fortschritts ist die Auflösung der bisherigen Gruppen, die nach Können der Schikursteilnehmer/innen eingeteilt wurden. Damit ist jetzt Schluss! Ob stark oder leicht Fortgeschrittene oder blutige Anfänger: Alle werden gleichmäßig auf die Gruppen verteilt und bunt zusammengemischt“, erläutert Gögele das zukunftsweisende schipädagogische Konzept.

Dahinter steht das (pseudo)wissenschaftlich belegte Argument, dass die fortgeschrittenen Schifahrer/innen von den Anfängern lernen können und umgekehrt. Insbesondere in den Bereichen Sport und Musik hat sich dieses Prinzip in der Praxis schon mehrfach bewährt. So soll ein Training des SK Hintertux mit der Mannschaft von FC Barcelona das fußballerische Niveau der Zillertaler in unermessliche Höhen getrieben und auch die Spanier neu motiviert haben. Geplant ist auch eine gemeinsame Probenwoche der Musikkapelle Laterns mit den Wiener Philharmonikern, um das musikalische Können beider Klangkörper zu steigern.

Nun soll dieses erfolgversprechende Konzept auch auf die Schischulen übertragen werden, bevor man es auf den Ernstfall Schule loslässt. Eine erste Konsequenz wird das gemeinsame Benützen des einfachsten zur Verfügung stehenden Übungshanges sein, um die Anfänger nicht zu überfordern. Besonders die stark Fortgeschrittenen werden damit ihre Freude haben und ihr Talent voll entfalten können. Am Ende des Schikurses winkt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die sofortige Aufnahme in den A-Kader des ÖSV – die Fortsetzung der österreichischen Schierfolge ist damit langfristig gesichert.

Sollten Schischulbesitzer und Schilehrer/innen einen Einwand gegen diese Modellregion haben: Diese werden gar nicht gefragt! Das wäre ja noch schöner, wenn die Betroffenen mitentscheiden könnten, wie ihre Schischulen arbeiten.
Aber selbstverständlich wird dieses Projekt evaluiert werden. „Dafür schlagen wir ein Expertenteam um ÖSV-Präsident Prof. Peter Schöcksnadel vor“, beschließt Rainer Gögele den zukunftsweisenden Vorschlag von Pro Gymnasium.

David Hagen: Textanalyse: Schi-Gesamtschule Arlberg

Die Presseaussendung „Pro Gymnasium schlägt Errichtung einer Modellregion ‚Schi-Gesamtschule Arlberg‘ vor“ ist ein Satire-Artikel von Rainer Gögele, der am 1. April 2016 von „Pro Gymnasium“ veröffentlicht wurde. Der Anlass für diesen Text ist die von 2012 bis 2017 andauernde Bildungsdebatte in Vorarlberg und Tirol über die Einführung der Gesamtschule der 10- 14-Jährigen. Gögele versucht in seinem Artikel zu veranschaulichen, warum ein solches Modell nicht funktionieren kann.

Rainer Gögele schlägt in seinem Artikel ein neues Schischulen-Modell vor, bei dem Anfänger, Fortgeschrittene und Profis in denselben Gruppen miteinander fahren. Weiters sollen die Musikkapelle Laterns und die Wiener Philharmoniker nach demselben Prinzip miteinander proben und ein Amateur-Fußballclub gemeinsam mit einem weltbekannten Proficlub trainieren. So können Anfänger, laut einem wissenschaftlich belegten Argument, am besten von erfahrenen Sportlern beziehungsweise Musikern lernen und umgekehrt. Wichtig dabei sei aber, dass die betroffenen Skischulen und Vereine kein Mitspracherecht haben, ob sie in dieses neue System aufgenommen werden.
Die wohl wichtigste Darstellungsform in diesem Artikel ist die provokante Satire, die sich über den gesamten Text zieht und Gögele damit seine abwertende Haltung gegenüber der Gesamtschule zum Ausdruck bringt. Der Text ist eindeutig dem publizistischen Stil zuzuordnen, da er fast nur stilistisch neutrale Wörter, wie „Sport“ oder „Fortschritt“, verwendet und keine dialektischen Ausdrücke vorkommen, außer sie stehen unter Anführungszeichen. Zum Beispiel am Ende des ersten Absatzes „Alle werden (…) bunt zusammengemischt.“ Teilweise lassen sich dennoch stilistisch gehobene Ausdrücke, wie „Klangkörper“ am Ende des zweiten und „evaluieren“ im letzten Absatz, finden. Die Sätze sind komplex und enthalten Gliedsätze, daher gehört der Text zum hypotaktischen Stil.

Das Ziel dieser Presseaussendung der Organisation „Pro Gymnasium“ ist ganz klar, den Lesern zu vermitteln, dass die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen vollkommener Unsinn ist. Das zeigt Gögele schön, indem er drei vollkommen unsinnige Modelle präsentiert, die nach dem gleichen System wie die Gesamtschule funktionieren. Wenn ein hochbegabter und ein schlechter Schüler zusammen denselben Unterricht besuchen, hat das nur zur Folge, dass der gute Schüler unter-, der andere aber überfordert ist. Meiner Meinung nach ist keiner dieser Vorschläge sinnvoll umsetzbar. Weder die drei von Rainer Gögele, noch die Gesamtschule. Egal, ob es sich um Schüler, Sportler oder Musiker handelt, jeder Mensch muss auf seinem Niveau gefördert werden, um das beste Ergebnis zu erhalten. Dabei darf er nicht über-, aber auch nicht unterfordert werden.

Meiner Meinung nach ist dieser Artikel sehr gelungen, da er die Problematik dieses Modells der Gesamtschule sehr humorvoll, aber auch verständlich darstellt. Um aber zu verstehen, auf was Gögele wirklich hinauswill, muss man entweder die Organisation „Pro Gymnasium“ und ihre Inhalte kennen oder über die Ausgangslage, die Debatte über die Gesamtschule, Bescheid wissen.

Lena Schelling: Textanalyse: Schi-Gesamtschule Arlberg

Der Text „Achtung Satire (oder doch ernst gemeint?) Pro Gymnasium schlägt Einrichtung einer Modellregion „Schi-Gesamtschule Arlberg“ vor“ von Pro Gymnasium ist am 1. April 2016 vom eigenen Pressedienst von Pro Gymnasium veröffentlicht worden. In diesem Text spricht Bundesobmann von Pro Gymnasium, Dr. Rainer Gögele von einer Schi-Gesamtschule und macht sich durch seine Formulierung über die „normale“ Gesamtschule lustig.

Pro Gymnasium will eine Modellregion „Schi-Gesamtschule-Arlberg“ errichten und alle Schischulen am Arlberg, auch gegen ihren Willen, einbeziehen. Die bisherigen Gruppen sollen aufgelöst werden und die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer bunt gemischt aufgeteilt werden. Das Können der Schifahrer wird dabei nicht beachtet. Dadurch soll erreicht werden, dass die Fortgeschrittenen und die Anfänger voneinander lernen können. In der Praxis war dies auch schon erfolgreich, wie zum Beispiel bei einer gemeinsamen Trainingseinheit des SK Hintertux und des FC Barcelona. Und bevor dieses Konzept auf Schulen ausgelegt wird, wird es zunächst bei Schischulen getestet. Laut Gögele wird für die Evaluation dieses Projektes ein Expertenteam rund um ÖSV-Präsident Prof. Peter Schröcksnadel vorgeschlagen.
Der Text ist stilistisch sehr neutral geschrieben. Es werden keine gehobenen Ausdrücke verwendet, sondern nur welche, die man auch im Alltag verwenden würde. Pro Gymnasium hat den Verbalstil deutlich bevorzugt, denn in jedem Satz kommt ein Verb vor, und generell ist der Text sehr sachlich geschrieben worden. Zudem sind die Sätze komplex aufgebaut und relativ lang, was auf den hypotaktischen Stil hinweist. Zwar sind alle Wörter des Textes alltagstauglich, jedoch gibt es keinen Hinweis auf einen dialektalen Einfluss, wodurch man also auf einen fachsprachlichen Stil schließen kann.

Die Überschrift „Achtung Satire“ beinhaltet schon das Hauptstilmittel. Pro Gymnasium macht sich mit Hilfe von Satire über die Gesamtschule lustig und verspottet sie auch ein bisschen. Dies bemerkt man vor allem bei dem Satz „Das wäre ja noch schöner, wenn die Betroffenen mitentscheiden könnten, wie ihre Schischulen arbeiten.“, der vor Verachtung und Spott nur so trieft. Aber auch die Aussage, dass sich die stark Fortgeschrittenen über den sehr einfachen Übungshang freuen und ihr Talent voll entfalten werden und können, zeigt Gögeles Stellungnahme zur Gesamtschule.
Gögele möchte mit diesem Text bewirken, dass das Konzept Gesamtschule noch einmal gründlich überdacht wird. Ich persönlich denke, dass der Vorschlag der sofortigen Aufnahme in den A-Kader nach dem Abschluss des Schikurses nicht verwirklichbar ist. Denn für den A-Kader braucht es ein jahrelanges Training und nach einem Schikurs auf einem sehr einfachen Übungshang sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher nicht gut und fit genug für den A-Kader.
Der Text im Allgemeinen gefällt mir sehr gut, da Pro Gymnasium durch die versteckte und doch offensichtliche Botschaft zum Denken anregt. Es sollten alle Beteiligten über die Situation mitbestimmen dürfen und man sollte darüber nachdenken, was für jeden einzelnen das Beste wäre.