Die Tiroler wollen die Gesamtschule nicht!

„Die Tiroler Kommunalpolitiker wollen das achtjährige Gymnasium erhalten und lehnen Modellregionen zur Erprobung der Gesamtschule ab“, das ist kurz gefasst das Ergebnis einer flächendeckenden Befragung aller Spitzenkandidat/inn/en von Gymnasialstandorten für die Tiroler Gemeinderatswahlen am 28. Februar 2016. Pro Gymnasium hat alle Spitzenkandidat/inn/en aller wahlwerbenden Gruppierungen in Lienz, Kufstein, St. Johann i.T., Wörgl, Schwaz, Hall, Telfs, Landeck, Imst und Reutte von 13.-16.2.2016 befragt, wie sie sich verhalten würden, wenn in ihrer Gemeinde eine ‚Modellregion Gemeinsame Schule‘ geplant wäre.

„Das Ergebnis könnte klarer nicht sein“, berichten Dr. Isolde Woolley (Pro Gymnasium Tirol) und Dr. Rainer Gögele (Pro Gymnasium Österreich), „alle befragten Kommunalpolitiker/innen von ÖVP, SPÖ, FPÖ und der meisten Namenslisten mit nur zwei Ausnahmen (die Grünen in Reutte und eine Namensliste in Kufstein) erklärten, sich für den Weiterbestand des achtjährigen Gymnasiums einzusetzen und eine Modellregion verhindern zu wollen.“

„Jetzt besteht für die Tiroler Landesregierung, insbesondere LH Platter und LR Palfrader, Handlungsbedarf“, sind sich Woolley und Gögele einig. „Sie haben für ihre Bildungspolitik, die eine Gesamtschule auch gegen den erklärten Willen der Bevölkerung einführen will, keine Mehrheit. Das sollten sie zur Kenntnis nehmen. Das hätten sie eigentlich schon lange bemerken müssen“, so Woolley und Gögele, „denn in Tirol ist ‚Feuer am Dach‘, seit die Landesregierung mit Lienz, Reutte, Imst und Landeck schon vier Standorte genannt hat, die für eine Modellregion Gemeinsame Schule in Frage kommen. An allen vier Standorten gab es sponta-nen und lautstarken Widerstand der betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch der lokalen Politik und der Medien.“

„Platter und Palfrader sollen zur Kenntnis nehmen“, so Woolley und Gögele, „dass es in Tirol – wie auch in anderen Bundesländern Österreichs – keine politische Mehrheit für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen gibt. Wir bringen ihnen in Erinnerung, was der (grüne) Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, zu diesem Thema schon 2014 meinte: ‚Wer sich am Gymnasium vergreift, überlebt das politisch nicht!‘

Inhaltsleere Noten?

Der Leitartikel von Peter Nindler in der Tiroler Tageszeitung vom 19.2. verlangt nach einigen Ergänzungen und Richtigstellungen:

1. Offensichtlich wird unter „Bildungschance“ und „erfolgreicher Bildungslaufbahn“ nur der Weg zu Matura und Studium verstanden. Warum können wir nicht endlich auch die Ausbildung zum Facharbeiter und das goldene Handwerk als „Bildungschance“ und „höhere Bildung“ begreifen? Hier wäre ein Umdenken in den Köpfen und in der Sprache dringend erforderlich.

2. Durch die gemeinsame Schule würden zwar bestenfalls einige wenige andere Schüler/innen zur Matura gelangen, aber sicher kein einziger mehr. Dazu müssten nämlich die Plätze an den maturaführenden Schulen erhöht werden. Ob es allerdings im Sinne der Volkswirtschaft wäre, die Zahl der Lehrlinge weiter zu senken und jene der (arbeitslosen) Akademiker zu steigern, ist mehr als fraglich.

3. Die Behauptung, mit der gemeinsamen Schule könne das Problem der Aufnahme in die fünfte Schulstufe beseitigt werden, ist eine gefährliche Falle. Dieses Problem ließe sich nämlich nur dann lösen, wenn es eine Zwangszuweisung der Kinder in die jeweiligen Sprengelschulen gäbe. Das würde aber das Ende der freien Schulwahl für die Eltern und das Aus der Schwerpunkte an den einzelnen Schulen bedeuten, weil jede Schule einen allgemein verträglichen Bildungseintopf anbieten müsste. Nur Eltern mit gefüllter Brieftasche könnten dieser Zwangsbeglückung ausweichen und ihre Kinder in Privatschulen schicken. Damit würde genau jene soziale Schere aufgehen, welche die Gesamtschulbefürworter verhindern wollen. Ein Blick in Gesamtschulländer wie England bestätigt dies eindrucksvoll. Das muss den Eltern klargemacht werden.

4. Eine Abschaffung der Noten weckt die Illusion, dass alle Menschen die gleichen Begabungen haben und gleiche Leistungen erbringen. Spätestens beim Wechsel in eine weiterführende Schule, an eine Hochschule oder in das Berufsleben zerplatzt diese Illusion wie eine Seifenblase. Dabei ist es unerheblich, in welcher Form die unterschiedlichen Leistungen gemessen und beschrieben werden. Auch die Ziffernnoten sind nur Ausdruck einer verbalen Beschreibung. So bedeutet etwa die Note „Befriedigend“, dass die Anforderungen des Lehrplanes „in den wesentlichen Bereichen zur Gänze erfüllt wurden“. Auch alternative verbale Beschreibungen werden mit der Zeit standardisiert werden, abgesehen davon, dass sie oft nicht nur Leistungen, sondern auch die Persönlichkeit der Kinder bewerten, was ich problematisch finde.

Ich wünsche mir, dass in Kommentaren anstelle von einseitigen Behauptungen und Halbwahrheiten die ganze Wahrheit mit allen Konsequenzen gesagt wird.

Dr. Thomas Plankensteiner

Landesrätin Palfrader – Nur die halbe Wahrheit?

„Wenn ich von der Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader in einem Interview mit einer Regionalzeitung höre, dass in Tirol kein Gymnasium geschlossen wird‘, muss ich unweigerlich an Walter Ulbricht denken, der im Frühjahr 1961 auf Anfrage gesagt hat ‚Niemand hat vor eine Mauer zu bauen!‘ – am 13. August 1961 war sie dann Wirklichkeit“, ist Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, gegenüber entsprechenden Ankündigungen Palfraders (Bezirksblätter Imst, 10.2.2016) skeptisch.

„Tatsache ist“, so Gögele, „dass in Tirol ‚Feuer am Dach‘ ist, seit die Landesregierung mit Lienz, Reutte, Imst und Landeck schon vier Standorte genannt hat, die für eine Modellregion Gemeinsame Schule in Frage kommen. An allen vier Standorten gab es spontanen und lautstarken Widerstand der betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch der lokalen Politik und der Medien.“

„Man soll die Bevölkerung nicht für dumm verkaufen“, verlangt Gögele. „Wenn in einem Bezirk eine Modellregion eingeführt wird, dann geht das nur, wenn die AHS-Unterstufe abgeschafft wird. So ist das auch im Ministerratsvortrag vom 17.11.2015 auf Seite 14 zu lesen: Gleichmäßige Verteilung (…) der Schülerinnen und Schüler aller Leistungsspektren auf die Standorte der Modell-Regionen.

„Palfrader sagt auch nur die halbe Wahrheit, wenn sie behauptet, dass auf jeden Fall die Einbindung der Schulpartner vorgesehen ist. Das ist einfach nicht wahr, im entsprechenden Regierungsbeschluss ist vorgesehen, dass entgegen der derzeit gültigen Gesetzeslage die ‚Schulpartner nur noch informiert‘ werden“, stellt Gögele klar.

„Palfrader soll zur Kenntnis nehmen“, so Gögele, „ dass es in Tirol – wie auch in anderen Bundesländern Österreichs – keine politische Mehrheit für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen gibt. Ich bringe ihr in Erinnerung, was der (grüne) Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, zu diesem Thema schon 2014 meinte: „Wer sich am Gymnasium vergreift, überlebt das politisch nicht!“

Pro Gymnasium schlägt Errichtung einer Modellregion „Schi-Gesamtschule Arlberg“ vor

ACHTUNG SATIRE (oder doch ernst gemeint?)

Die österreichweite Initiative „Pro Gymnasium“ bringt einen konstruktiven Vorschlag in die Diskussion über Modellregionen zur gemeinsamen Schule in Tirol und Vorarlberg ein: „Wir schlagen die Errichtung einer Modellregion Schi-Gesamtschule Arlberg vor“, so Bundesobmann Dr. Rainer Gögele. „Alle bestehenden Schischulen des Arlbergs werden, ob sie wollen oder nicht, in diese Modellregion eingebunden. Kernstück des Fortschritts ist die Auflösung der bisherigen Gruppen, die nach Können der Schikursteilnehmer/innen eingeteilt wurden. Damit ist jetzt Schluss! Ob stark oder leicht Fortgeschrittene oder blutige Anfänger: Alle werden gleichmäßig auf die Gruppen verteilt und bunt zusammengemischt“, erläutert Gögele das zukunftsweisende schipädagogische Konzept.

Dahinter steht das (pseudo)wissenschaftlich belegte Argument, dass die fortgeschrittenen Schifahrer/innen von den Anfängern lernen können und umgekehrt. Insbesondere in den Bereichen Sport und Musik hat sich dieses Prinzip in der Praxis schon mehrfach bewährt. So soll ein Training des SK Hintertux mit der Mannschaft von FC Barcelona das fußballerische Niveau der Zillertaler in unermessliche Höhen getrieben und auch die Spanier neu motiviert haben. Geplant ist auch eine gemeinsame Probenwoche der Musikkapelle Laterns mit den Wiener Philharmonikern, um das musikalische Können beider Klangkörper zu steigern.

Nun soll dieses erfolgversprechende Konzept auch auf die Schischulen übertragen werden, bevor man es auf den Ernstfall Schule loslässt. Eine erste Konsequenz wird das gemeinsame Benützen des einfachsten zur Verfügung stehenden Übungshanges sein, um die Anfänger nicht zu überfordern. Besonders die stark Fortgeschrittenen werden damit ihre Freude haben und ihr Talent voll entfalten können. Am Ende des Schikurses winkt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die sofortige Aufnahme in den A-Kader des ÖSV – die Fortsetzung der österreichischen Schierfolge ist damit langfristig gesichert.

Sollten Schischulbesitzer und Schilehrer/innen einen Einwand gegen diese Modellregion haben: Diese werden gar nicht gefragt! Das wäre ja noch schöner, wenn die Betroffenen mitentscheiden könnten, wie ihre Schischulen arbeiten.

Aber selbstverständlich wird dieses Projekt evaluiert werden. „Dafür schlagen wir ein Expertenteam um ÖSV-Präsident Prof. Peter Schröcksnadel vor“, beschließt Rainer Gögele den zukunftsweisenden Vorschlag von Pro Gymnasium.

Südtirol zeigt Versagen der Gesamtschule!

Für eine Versachlichung der in Tirol laufenden Bildungsdebatte spricht sich der Obmann der Initiative Pro Gymnasium, aLR Dr. Rainer Gögele, aus.  „Bei der Frage, ob die Abschaffung von Gymnasien und neuen Mittelschulen unseren Kinder und Jugendlichen bessere oder schlechtere Entwicklungschancen bringt, sollten Fakten und nicht persönliche Meinungen im Vordergrund stehen“, betonte Gögele. Hellhörig müsse man nämlich dann werden, wenn – wissentlich oder unwissentlich – versucht wird, mit unrichtigen Argumenten einen Justament-standpunkt zu untermauern, wie dies die Tiroler Landesrätin Palfrader in der letzten Landtagssitzung mit der Aussage „In Südtirol funktioniert die gemeinsame Schule seit 30 Jahren“ gemacht hat. Die Fakten aus den für jeden seit langem zugänglichen Informationen des deutschen Schulamts in Bozen zu PISA 2012 zeigen nämlich, dass dies falsch ist.

In Südtirol gibt es in den Schulen eine Differenzierung nach Sprachgruppen. Deutschsprachige Kinder besuchen andere Schulen als italienischsprachige. Obwohl diese grundsätzlich in der jeweiligen Sprachgruppe als „gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen“ geführt werden, unterscheiden sich die Ergebnisse enorm. Die Absolventen der deutschsprachigen Schulen erreichten beim letzten PISA-Test 2012 503 Punkte und lagen damit klar vor ihren österreichischen Kollegen (490 Punkte). Dies zieht Palfrader als Argument für die Überlegenheit der gemeinsamen Schule heran. Dabei lässt sie allerdings unter den Tisch fallen, dass die Absolventen der italienischen Südtiroler Schulen mit 474 Punkten deutlich unter dem österreichischen Ergebnis liegen. Ein Blick in die Publikation des deutschen Schulamtes in Bozen zeigt die Ursache dafür auf, dort steht:

„Während in der deutschen Schule ein großer Teil der Jugendlichen aus Staaten mit einem ähnlichen wirtschaftlichen und kulturellen Status kommt, wird die italienische Schule verstärkt von Jugendlichen außereuropäischer Herkunft gewählt, die vom sozialen und dem Bildungshintergrund weniger günstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulbesuch besitzen.“  

In deutschsprachigen Schulen beträgt der Anteil von Migranten gerade 3,4%, während er in italienischen 13,5% ausmacht. Die Südtiroler Ergebnisse selbst zeigen also, dass die gemeinsame Schule der 10- bis 14- Jährigen den sozialen Ausgleich nicht erzielt. Dies steht im Gegensatz zu dem, was Palfrader anführt.

„Beim letzten großen Experiment, der Umstellung von der Hauptschule auf die Neue Mittelschule hat man die Leistungsgruppen – die innere Differenzierung – abgeschafft, was trotz höherem Ressourceneinsatz und größtem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer zu deutlich schlechteren Ergebnissen geführt hat. Nun werden etwa mit dem Südtirol-Argument sinnentstellende Halbwahrheiten bemüht im Versuch, auch die äußere Differenzierung schlechtzureden. Gerade als Bildungspolitikerin ist es Landesrätin Palfrader den Kinder und Jugendlichen schuldig, Fakten heranzuziehen, wobei sie Pro Gymnasium gerne unterstützt.
Wenn es ihr wirklich um eine faire Schule geht – davon gehen wir aus –, dann sollte sie Abstand von der Einführung der Gesamtschule nehmen und dort ansetzen, wo nachweislich Verbesserungen möglich wären, beispielsweise die Wiedereinführung einer inneren Differenzierung – sprich Leistungsgruppen – in den Neuen Mittelschulen, die Schülern unterschiedliche, jeweils individuell passende Lerngeschwindigkeiten ermöglichen“, so Gögele abschließend.

Deutschlandsberg braucht eine AHS-Unterstufe!

“Deutschlandsberg braucht eine AHS-Unterstufe, um die Vielfalt der Bildungsmöglichkeiten auch den 60.000 Menschen zu bieten, die in diesem Bezirk wohnen”, unterstützt Dr. Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, entsprechende Anliegen der Bevölkerung in diesem Bezirk. “1962 hat der damalige Unterrichtsminister, Heinrich Drimmel (ÖVP) angekündigt, es sei das Ziel der Bundesregierung, in jedem Bezirk ein Gymnasium zu errichten – 54 Jahre später ist dieses Anliegen für 93 % der österreichischen Bezirke verwirklicht, nicht jedoch für Deutschlandsberg, Südostersteiermark und Murau in der Steiermark, Hermagor und Wolfsberg in Kärnten, Scheibbs in Niederösterreich, Steyr-Land in Oberösterreich und Jennersdorf und Güssing im Burgenland. Das ist eine Ungerechtigkeit, die beseitigt gehört”, verlangt Gögele.

“Der Bezirk Deutschlandsberg braucht ein hervorragendes Bildungssystem. Durch die Konzentration der gymnasialen Bildungseinrichtungen im Ballungsraum Graz entsteht für den Grenzlandbezirk Deutschlandsberg ein massiver Nachteil und bedeutet defacto eine Schwächung des Entwicklungspotenzials des Bezirkes. Gute Schulen sind immer ein wichtiges Faktum im Festlegen des Lebensmittelpunktes junger Familien. Das Fehlen solcher Bildungseinrichtungen verursacht nicht nur sozio-ökonomischen Schaden, es bedeutet tatsächlich eine Barriere für die langfristige nachhaltige Entwicklung der Region”, hält dazu Dr. Gerda Lichtberger, die steirische Landessprecherin von Pro Gymnasium, fest.

“Bislang konnten die Hauptschulen mit ihrer Leistungsdifferenzierung die Kinder hervorragend auf eine höhere Schullaufbahn vorbereiten. Die Neue Mittelschule kann an diese Leistungen nicht anschließen, der Druck auf die Gymnasien steigt. Das ist unerfreulich und gehört repariert”, meint Gögele, “aber die Schüler des Bezirks Deutschlandsberg können nicht darauf warten, bis die Neue Mittelschule durch entsprechende Reformen wieder auf ‘Hauptschulniveau’ gebracht werden kann.”

 

Leserbrief dazu in der Kleinen Zeitung vom 3.2.2016:

Deutschlandsberg ist einer von neun Bezirken in ganz Österreich, die über keine AHS-Langform verfügen, was sich nachteilig auf die Region und besonders die SchülerInnen auswirkt. Die Existenz oder das Fehlen eines Gymnasiums ist eine Standortfrage für junge Familien, die sich berufsbedingt einen neuen Wohnsitz suchen. Deutschlandsberg verliert Zuzug, da Eltern keine Entscheidungsmöglichkeit bei der Schule der 10- bis 14-Jährigen haben.

Kinder haben ein Recht auf eine umfassende und aufbauende Allgemeinbildung, und diese wird nur im Gymnasium geboten. Kinder brauchen eine Schule, in der sie in alters- und leistungshomogenen Klassen unterrichtet werden. Welcher Fortschritt war es, als die ursprünglichen Dorfgesamtschulen mit allen Kindern in einem Raum endlich in Klassen aufgeteilt werden konnten! Jetzt will man mit Heterogenität als Schlagwort in den NMS wieder einen Zustand herbeiführen, der schon lange überwunden war, nämlich größtmögliche Leistungsunterschiede in einer Klasse. Abgesehen von den Nachteilen für Kinder ist dieses System auch eine Zumutung für LehrerInnen, die für eine Unterrichtsstunde etwa drei verschiedene Übungen ausarbeiten müssen, um dem Unwort der Binnendifferenzierung gerecht zu werden.

Das Gymnasium hat immer funktioniert, denn keine andere Schulform kann leistungsmäßig den Gymnasien das Wasser reichen. Dieser Erfolg erzeugt offensichtlich Neid, denn mittlerweile wird das Gymnasium von manchen BildungspolitikerInnen als Problem gesehen, wo es doch immer ein Teil der Lösung war, und zwar als Bestandteil eines differenzierten Schulsystems. Welche soziale Gerechtigkeit ist das, wenn Zehntausenden von SchülerInnen in ganz Österreich, die Entscheidungsmöglichkeit zwischen NMS und Gymnasium verweigert wird? Es ist statistisch belegt, dass ein Großteil der SchülerInnen aus einer gymnasialen Unterstufe in eine weiterführende Oberstufe gehen, und danach ein Studium beginnen. Selbst Landhauptschulen, die immer den Ruf hatten, gut zu sein, bereiteten diejenigen SchülerInnen, die trotz AHS-Reife in der HS oder NMS gelandet waren, nicht optimal auf ihre weitere Laufbahn vor: „Im Vergleich zu jenen, die im Alter von zehn Jahren ins Gymnasium kamen, waren es unter den begabten Hauptschülern mehr als 30 Prozent weniger, die es vier Jahre später an die höhere Schule schafften” (Edith Meinhart und Christa Zöchling, „Neue Mittelschule: Warum sie scheitern musste“, Profil, 10.2.2014). Leistung kennt keine Klassenschranken. Ein kluges Arbeiterkind ist in einem Gymnasium besser aufgehoben als in der NMS und hat in einem Ballungsraum die Chance, in ein solches zu kommen. Ein Arbeiterkind aus Deutschlandsberg hat diese Chance nicht. Deutschlandsberg braucht eine AHS-Langform, denn die NMS kann systembedingt guten SchülerInnen nicht die Bildung bieten, die sie brauchen.

FH-Prof. Mag. Mag. Dr. Dietmar Tatzl

Gymnasien in Imst und Landeck müssen bleiben!

“Die Pläne der Tiroler Landesregierung, entweder in Imst oder Landeck eine Gesamtschul-Modellregion einzuführen, sind zum Scheitern verurteilt”, beurteilt Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, entsprechende Absichten. “Genauso wie in Reutte und Lienz gibt es geschlossenen Widerstand der Schulpartner, der örtlichen Politik und der Bevölkerung gegen die Pläne, das achtjährige Gymnasium in eine Gesamtschule umzuwandeln.“ Gögele hat in einem Schreiben an die beiden Direktoren – Karl Digruber und Josef Röck – die Unterstützung von Pro Gymnasium für den Erhalt der gymnasialen Langform in Imst und Landeck zugesichert.

“Vollkommen abzulehnen ist der Vorstoß der Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), der das Mitwirkungsrecht von Eltern, Schülern und Lehrern bei Schulversuchen abschaffen will. Sie ist in Innsbruck daran gescheitert, eine Gesamtschul-Modellregion einzurichten und reagiert jetzt unangemessen. Anstatt die Schulpartner zu entmachten sollte sie darüber nachdenken, warum Schüler, Eltern und Lehrern ihren schulpolitischen Vorstellungen nicht folgen”, verlangt Gögele von LR Palfrader “Gewissenserforschung in eigener Sache.”

“Es ist nicht nachvollziehbar, warum mit dem Gymnasium gerade jene Schulform ständig in Frage gestellt wird, die sich als besonders erfolgreich erwiesen hat und auch große Akzeptanz in der Öffentlichkeit hat und sich außerdem im Vergleich zu anderen Schulformen (NMS) auch als deutlich weniger kostenintensiv herausgestellt hat. Ich bin jedenfalls entschieden dafür, dass den Eltern und Schülern ihre Wahlmöglichkeit nicht genommen wird”, so Gögele.

“Es gibt genug zu tun”, so Gögele, “keine weiteren Gesamtschulversuche in Österreich, sondern Konzentration auf das Wesentliche: Dabei geht es v.a. um die Frühförderung, die Änderung der Aufnahmekriterien ins Gymnasium, mehr Wertschätzung gegenüber der dualen Ausbildung, ein verstärktes Erkennen und Beheben von Defiziten im Kindergarten-, Vorschul- und Volksschulalter, mehr Unterstützung für die Schulen durch Psychologen, Sozialarbeiter, etc. und einen qualitativen Ausbau des ganztägigen Angebots und eine Verstärkung des kostenlosen Förderunterrichts.”

Grundsätzlich brauchbares Bildungsprogramm – Schulpartner dürfen nicht entmündigt werden!

„Das neue Bildungsprogramm der Bundesregierung kann sich durchaus sehen lassen“, erklärt Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, „besonders erfreulich ist, dass es keine landesweiten Modellregionen für die Gemeinsame Schule geben wird und sich der Bund an den Kosten nicht beteiligt“, so Gögele. Die Beschränkung auf 15 % ist sinnvoll – sonst kann man ja nicht vergleichen „aber dass man dazu das Mitbestimmungsrecht der Schulpartner Schüler, Eltern und Lehrer abschaffen will, ist nicht nachvollziehbar.“

„Der rote Faden ist die Frühförderung – und die ist tatsächlich am wichtigsten! Dazu gehören der „Bildungskompass“ für alle Kinder mit 3,5 Jahren,  Deutsch vor Schulbeginn, verbesserte Sprach- und Leseförderung von Anfang an, ein  zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für jene Kinder, die es auch wirklich brauchen, zusätzliche Sprachkurse zur Verbesserung der Deutschkenntnisse, die Forcierung der Grundkompetenzen Lesen-Schreiben- Rechnen in der Volksschule und eine Verbesserung der Ausbildung der Kindergartenpädagogen“, stellt Gögele fest.

Insgesamt ist das neue Bildungsprogramm praxisbezogen, umsetzbar und differenziert. „Anzustreben ist noch“, so Gögele, „dass es in Zukunft verstärkt gelingt, den Leistungsgedanken wieder in den Vordergrund zu stellen. Von verantwortungslosen ‚Scheinexperten‘ wird immer wieder die Illusion vermittelt, bei entsprechender Förderung könne jedes Kind, ohne Rücksicht auf die Begabung, jedes Ziel erreichen. Das ist eine Illusion – die Antwort darauf ist ein vielfältiges Angebot, das jedes Kind nach seinen Fähigkeiten fördert und fordert.“

Keine echten Erleichterungen für Modellregionen

„Es wird zwar Modellregionen geben können“, erklärt Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich, „aber die Bedingungen – kein ganzes Bundesland, keine Kostenbeteiligung des Bundes – sind so gestaltet, dass die Durchführung schwierig werden dürfte. Es wird auch nicht mitgeteilt“, so Gögele, „ob man die Zustimmung der Schulpartner Schüler, Eltern und Lehrer zu einem Schulversuch abschaffen will oder nicht. Pro Gymnasium fordert jedenfalls die Einhaltung der bestehenden Mitbestimmungsrechte der Schulpartner. Die Lösung ist zwar nicht elegant, aber die Botschaft an die Länder ist: Wenn Ihr das unbedingt haben wollt, macht das, aber ohne uns und nur im kleinen Rahmen!“

„Das am 17.11.15 präsentierte Bildungsprogramm der Bundesregierung erbrachte keine großen Überraschungen, enthält aber auch sinnvolle Festlegungen für Maßnahmen, die mehrheitsfähig, umsetz- und finanzierbar sind“, bewertet Gögele das Ergebnis vorsichtig positiv. „Der rote Faden ist die Frühförderung – und die ist tatsächlich am wichtigsten!“

• Ein „Bildungskompass“ für alle Kinder mit 3,5 Jahren
• Deutsch vor Schulbeginn – Bildung beginnt bei den Kleinsten
• Sprach- und Leseförderung – von Anfang an
• Schulautonomie wird gestärkt – drei Säulen: pädagogisch-personell-organisatorisch: 5 % der Lehrerposten können in Supportpersonal umgewandelt werden; wünschenswert wäre allerdings zusätzliches Personal im Unterstützungsbereich und keine Umschichtung bestehender Ressourcen
• Ein zweites „fast“ verpflichtendes Kindergartenjahr für jene Kinder, die es auch wirklich brauchen
• Zusätzliche Sprachkurse zur Verbesserung der Deutschkenntnisse
• Forcierung der Grundkompetenzen Lesen-Schreiben, Rechnen in der Volksschule
• Verbesserung der Ausbildung der Kindergartenpädagogen

„Noch unklar ist die Schulorganisation – Bildungsdirektionen sollen die Landesschulräte ablösen und eine „Bund-Länder-Behörde“ werden; die rechtliche Basis für eine solche Behörde existiert aber noch nicht! Nachdem, was bisher an Informationen vorliegt, ist eine konkrete Verbesserung noch nicht nachvollziehbar“, hält Gögele fest. „Auch ist das tatsächliche Ausmaß der Aufwertung der Gestaltungsmöglichkeiten der Direktoren noch nicht ganz klar.“

Insgesamt gilt: Im neuen Bildungsprogramm gibt es Punkte, die praxisbezogen, umsetzbar und differenziert sind. „Anzustreben ist noch“, so Gögele, „dass es in Zukunft verstärkt gelingt, den Leistungsgedanken wieder in den Vordergrund zu stellen. Von verantwortungslosen ‚Scheinexperten‘ wird immer wieder die Illusion vermittelt, bei entsprechender Förderung könne jedes Kind, ohne Rücksicht auf die Begabung, jedes Ziel erreichen. Das ist eine Illusion – die Antwort darauf ist ein vielfältiges Angebot, das jedes Kind nach seinen Fähigkeiten fördert und fordert.“

NÖAAB: Differenziertes Schulsystem fördert und fordert Talente

Am „Tag des Gymnasiums“ präsentieren die niederösterreichischen allgemeinbildenden höheren Schulen ihr gesamtes Leistungsspektrum.

„Gymnasien sind heute mehr denn je begehrte Ausbildungsstätten für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist aber, die Schule muss zum Kind und zum späteren Berufs- bzw. Ausbildungsziel passen. Als NÖAAB bekennen wir uns ganz klar zum Erhalt der Gymnasien. Gleichmacherei und Nivellierung am Durchschnitt, fördert weder Talente noch schafft es einen Wissensvorsprung“, betont NÖAAB-Landesgeschäftsführerin Bundesrätin Sandra Kern.

Der Tag des Gymnasiums dient Eltern und Kindern als Orientierungstag, als Tag der offenen Tür um mehr von der Schule, von den Lehrerinnen und Lehrern und den Lernbedingungen zu erfahren. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der NÖ Gymnasien zeigen: die Ausbildung am Gymnasium ist auf der Höhe der Zeit. „Fachlich und wissenschaftlich gebildetes Lehrpersonal, und moderne didaktische Methoden sind starke Qualitätsmerkmale für das Bildungsland Niederösterreich“, betont Sandra Kern.

Tiroler Gesamtschulregion kommt nicht vom Fleck!

„Die Wahrnehmung von Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader am 1.9.2015 in der Zeitung Österreich (http://www.österreich.at/chronik/Gesamtschule-Palfrader-fordert-Bund/202654623), das erste Gesamtschuljahr im Zillertal sei ‚sehr erfolgreich‘ verlaufen, ist zumindest eigenartig, um es vorsichtig zu formulieren“, hält Rainer Gögele, der Obmann von Pro Gymnasium Österreich fest.
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